Es gibt verschiedene Konzepte der Co-Abhängigkeit. Einige konzentrieren sich auf den Aspekt der Gesundheit, andere auf die Persönlichkeit oder die Anpassungsformen an eine bestimmte Situation. Co-Abhängigkeit ist keine eigenständige Krankheit und keine spezifisch diagnostizierte Störung. In den Kategorien der ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten) kann sie klassifiziert werden als:
- Akute Belastungsreaktion
- Posttraumatische Belastungsstörung
- Anpassungsstörung
- Andere Probleme im Zusammenhang mit der engsten Familie

Co-Abhängigkeit ist eine beschreibende Kategorie eines Funktionsmusters in einer Familie mit Suchtproblem. In diesem Artikel konzentriere ich mich nicht auf Theorien. Ich stelle Erscheinungsformen dar, die auf das Vorliegen dieses Problems hindeuten können.
Mir steht das Konzept sehr nahe, dass Co-Abhängigkeit eine verfestigte Form der Teilnahme an einer langandauernden, zerstörerischen Lebenssituation ist, die mit den pathologischen Verhaltensweisen des Partners/der Partnerin verbunden ist, die Handlungsmöglichkeiten wesentlich einschränkt, zur Verschlechterung des eigenen Zustands führt und eine Verbesserung der Lage erschwert. Es geht nicht um Episoden, sondern um eine über die Zeit verfestigte Teilnahme, die aktuell stattfindet. (Zofia Sobolewska)
Faktoren, die Co-Abhängigkeit begünstigen:
- Starke emotionale und materielle Abhängigkeit – Verharren in einer schwierigen Situation aus Angst vor Veränderungen oder aufgrund gemeinsamer finanzieller Verpflichtungen, z. B. eines gemeinsamen Kredits
- Schwache berufliche Position der co-abhängigen Person – Arbeitslosigkeit, fehlendes Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Geld zu verdienen
- Soziale Isolation – Vermeidung von Kontakten zu anderen Menschen, Vernachlässigung eigener Freundschaften
- Bestreben, die Beziehung aufrechtzuerhalten – Versuche, das Geschehen in der Beziehung zu verbergen, und Verzicht auf eigene Bedürfnisse
- Aggressives Verhalten der abhängigen Person – Beleidigungen, Beschimpfungen, Schläge, finanzielle Einschränkungen, Nötigung zum Geschlechtsverkehr
- Gefühl der Bedrohung und mangelnder Sicherheit
- Starke generalisierte Angst
- Traumatische Kindheitserfahrungen
- Überzeugung von der eigenen Allmacht – „Ich kann alles“, „Nur ich kann alles retten“
- Einengung des Denkens auf eine einzige Perspektive
- Neigung zur Verleugnung und zum magischen Denken – „Irgendwann wird er/sie sich ändern“, „Irgendwann wird es besser“
- Unfähigkeit, Verluste zu akzeptieren, z. B. den Verlust einer schönen Wohnung, eines Hauses oder gemeinsamer Reisen
- Verwischung oder Beschädigung der Ich-Grenzen – die Person weiß selbst nicht, wer sie ist, verliert ihre Individualität, kennt sich selbst und ihre Bedürfnisse nicht mehr
- Schuld- und Unrechtsempfinden – Verharren in der Überzeugung „Solche Dinge passieren mir immer“, „Andere haben es besser, leichter“, „Ich verdiene nichts Besseres“
- Geringes Selbstwertgefühl – negative Selbstwahrnehmung: „Ich tauge zu nichts anderem“, „Ich werde es allein nicht schaffen“
Charakteristische Merkmale der co-abhängigen Person:
- Ständige Abhängigkeit der eigenen Selbsteinschätzung von der Fähigkeit, sich selbst und andere in Bedrohungssituationen zu kontrollieren
- Übernahme der Verantwortung für die Befriedigung der Bedürfnisse anderer, selbst auf Kosten der eigenen Bedürfnisse
- Schwierigkeiten, die Grenze zwischen Nähe und Distanz zu setzen, und die damit verbundene Angst
- Neigung zu Beziehungen mit Personen, die eine gestörte Persönlichkeitsstruktur aufweisen, substanzabhängig sind oder Triebstörungen haben
Die psychologische Beratung und Psychotherapie (HPG) befasst sich mit der Arbeit an Gefühlen, Verhaltensweisen und Überzeugungen, die die Co-Abhängigkeit aufrechterhalten. Dazu gehören die Reduzierung der Angst, das Erleben und Ausdrücken von Wut, Scham und Ohnmacht, die Stärkung der eigenen Selbstwirksamkeit – also die Wiederherstellung der Fähigkeit, das eigene Leben zu steuern – sowie die Steigerung des Selbstwertgefühls und die Überwindung des Unrechtsempfindens.
Mehr darüber, wie eine psychologische Beratung und Psychotherapie (HPG) aussieht, finden Sie im Artikel: https://zanetamikolajczyk.com/psychoterapia-forma-zaawansowanego-rozwoju/ oder https://zanetamikolajczyk.com/co-osiagne-dzieki-terapii/
Nicht selten wird der Ausstieg aus diesem Problem von einer Scham- und Isolationsbarriere begleitet, von der Sorge, was einen in der Praxis erwartet und worüber man sprechen soll. Manchmal kann auch Angst auftreten, die mit einer negativen Stigmatisierung der Psychotherapie zusammenhängt – der Wahrnehmung von Psychotherapie als etwas Negatives. Mehr darüber, wie ein Gespräch in der therapeutischen Praxis aussieht, finden Sie im folgenden Artikel: